Eine künstlerisch-literarische Plakatreihe zu den Gewaltverbrechen gegen Frauen*.
Ein Projekt von Lungomare in Zusammenarbeit mit Kunst Meran Merano Arte und Summer School Südtirol.

Künstlerische Leitung

Angelika Burtscher
Daniele Lupo
Martina Oberprantacher
Maxi Obexer

 

Künstler*innen und Autor*innen

Edoardo Massa
Eleonore Khuen-Belasi
Gülbin Ünlü
Ingrid Hora
Maxi Obexer
Rosalyn D’Mello
Senthuran Varatharajah
Sophie Utikal
Teresa Sdralevich
Wissal Houbabi

Frauen* setzen sich ein und übernehmen Verantwortung, sie zeigen Stärke oft über ihre eigenen Kräfte hinaus, sie sind die tragenden Säulen unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die sie noch immer verdrängt, ausbeutet und unterdrückt. Im ländlichen oder im städtischen Raum, im familiären ebenso wie im öffentlichen Umfeld, bei der Arbeit und immer öfter auch im virtuellen Raum, sind Frauen* der Herabsetzung, der Diskriminierung und der Gewalt ausgesetzt. Betroffen sind Frauen* in allen Bereichen und sozialen Milieus.

 

Die Kampagne #etwaslaeuftfalsch reflektiert die Hintergründe der Gewaltverbrechen an Frauen* in der Gesellschaft. In fünf Tandems bestehend aus zehn Künstler*innen und Autor*innen sind fünf Plakatkampagnen entstanden, die flächendeckend den öffentlichen und digitalen Raum nutzen, um den Narrativen des Normalen entgegenzuwirken, um dem Schweigen zu widersprechen, um uns an die Seite der Betroffenen zu stellen. Die literarisch-künstlerischen Appelle nutzen den alltäglichen und öffentlichen Raum, um Diskurse und Reflexionen anzustoßen und etwas zu verändern.

 

Die Plakate sind das Ergebnis gemeinsamer Auseinandersetzungen der Künstler*innen und Autor*innen mit den Kurator*innen, lokalen Expert*innen und Aktivist*innen.

2000 Plakate sind ab Juni 2021 auf öffentlichen Plakat- und Werbeflächen in Südtirol zu sehen. Darüber hinaus wird die Kampagne von Einzelpersonen, Vereinen und öffentlichen Verwaltungen national- und internationalweit weiterverbreitet.

 

Die Bezeichnung Frau* bietet die Möglichkeit, dass alle, die sich als Frau identifizieren, sich durch den Begriff Frau repräsentiert sehen können, diejenigen aber, die als Frauen identifiziert werden und mit dieser Identifikation nicht einverstanden sind, sich im * repräsentiert sehen können.

Künstlerische Leitung

Angelika Burtscher

Angelika Burtscher studierte Grafik- und Produktdesign an der Fakultät für Design und Künste der Freien Universität in Bozen und Ausstellungstheorie und -praxis an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Seit 2003 arbeitet sie als Designerin und Kuratorin. Sie ist Partnerin des Gestaltungsbüros Lupo Burtscher und gründete 2003 gemeinsam mit Daniele Lupo den Projekt- und Ausstellungsraum Lungomare für den sie seit Beginn Ausstellungen, Projekte im öffentlichen Raum, Publikationen und Artist-in-Residency Projekte ko-kuratiert. Im Jahr 2009 absolvierte sie ein Forschungsjahr an der Jan Van Eyck Academie in Maastricht. Angelika Burtscher ist Ko-Autorin zahlreicher Bücher und Magazine u.a. Martina Steckholzer, eine Werkschau (Verlag für moderne Kunst Wien, 2020), visible – where art leaves its own field and becomes visible as something else (Sternberg Press, 2010) und der Magazinreihe Nord & – Süd – Leben, Arbeit, Wirtschaft in Südtirol (2011 – 2015).

Daniele Lupo

Daniele Lupo ist Designer und Kurator, Mitbegründer und Co-Kurator des Projektraums Lungomare seit 2003. Lungomare produziert Projekte, die mögliche Beziehungen zwischen Design, Architektur, Stadtplanung, Kunst und Theorie untersuchen und testen. Die Projekte interagieren mit kulturellen und gesellschaftspolitischen Prozessen, die sich auf die Region Südtirol beziehen. Seit 2004 ist er Mitbegründer, Mitglied und Gestalter des Studios für Design und visuelle Kommunikation Lupo Burtscher. Das Studio verfolgt in erster Linie einen multidisziplinären Designansatz und interessiert sich für die sozialen und kulturellen Auswirkungen der Projekte auf den öffentlichen Raum. Es entwickelt Projekte in den Bereichen Kommunikationsdesign, Produkt- und Ausstellungsdesign sowie kuratorische Arbeit. Seit 2019 unterrichtet er als Projektleiter im Master in Eco Social Design an der Freien Universität Bozen.

Martina Oberprantacher

Martina Oberprantacher studierte Kunstgeschichte an der Universität Innsbruck sowie an der Freien Universität zu Berlin. Nach mehrjähriger Arbeitserfahrung im Bereich der Kunst- und Kulturvermittlung studierte sie Ausstellen & Vermitteln an der Zürcher Hochschule der Künste und arbeitete parallel dazu als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute for Art Education der ZHdK. Ab 2013 war sie die Leiterin der Bildung und Vermittlung an der Städtischen Galerie am Lenbachhaus und Kunstbau München bis sie im Juni 2020 die Leitung von Kunst Meran Merano Arte übernahm.

Maxi Obexer

Maxi Obexer, Theaterautorin und Schriftstellerin, lebt in Berlin. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft in Berlin. Für ihre Werke erhielt sie Preise und Stipendien, u.a. von der Akademie Schloss Solitude, der Akademie der Künste sowie den Eurodrampreis und den Robert Geisendörfer Preis für „Illegale Helfer“. Gastprofessuren am Dartmouth College, USA, an der Universität der Künste in Berlin, an der Georgetown University in Washington, DC. Sie lehrt regelmäßig am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie gründete das Neue Institut für Dramatisches Schreiben, NIDS, und die Summer School Südtirol.

Künstler*innen und Autor*innen

Edoardo MassaScriber, Illustrator

Edoardo Massa machte seinen Abschluss in Grafikdesign an der ISIA in Urbino und beschäftigt sich mit Illustration, Comics und Scribing. In den letzten sechs Jahren hat er als Schreiber mit dem Festival der Wissenschaft in Genua zusammengearbeitet. Er arbeitet in Theatern als Grafikmoderator, beispielsweise während der Tournee von Michela Murgia. Er arbeitet als Illustrator für das The Passenger Magazine von Iperborea. Seit kurzem lebt er in Bologna.

Eleonore Khuen-Belasi Dramatikerin

Eleonore Khuen-Belasi ist Dramatikerin, sowie Studentin der Philosophie. Sie wurde 2018 für das Hans-Gratzer-Stipendium am Schauspielhaus Wien nominiert. Mit ihrem ersten Stück „ruhig Blut“ wurde sie zu den Autorentheatertagen 2019 am Deutschen Theater Berlin eingeladen. Die Uraufführung fand am Deutschen Theater mit einer Produktion des Schauspielhauses Graz statt. Das Stück erschien in der Theateranthologie „Dramatische Rundschau 02“ beim S. Fischer Verlag. Ihr zweites Stück „Himmel und Hirn“ erschien im März 2021.
Sie erhielt verschiedene Arbeits- und Aufenthaltsstipendien u.a. vom Bundesministerium für Kunst/Kultur Österreich, dem Deutschen Literaturfonds, der Provinz Südtirol und dem Literarischen Colloquium Berlin. Zurzeit schreibt sie an ihrem dritten Stück und an ihrer Masterarbeit. Sie lebt und arbeitet in Wien.

Gülbin Ünlü Künstlerin

Gülbin Ünlü lebt und arbeitet in München, wo sie an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Markus Oehlen Malerei studierte und 2018 ihr Diplom absolvierte, für das sie mit dem Preis der Erwin und Gisela von Steiner Stiftung ausgezeichnet wurde. Sie ist Teil der Künstlerkollektive T.A.G. und VKP und arbeitete als Komiteemitglied des Kunstraums Lothringer13 FLORIDA. Ünlü’s künstlerische Praxis zelebriert das Mash-up, was sich nicht zuletzt in ihrem interdisziplinären Ansatz zeigt, der künstlerische Kollaborationen, Foto- und Videoarbeiten, Installationen, Performances, Musik und Malerei umfasst. Seit 2016 hat Ünlü verschiedene Künstlerbücher und Musikalben veröffentlicht und ihre Arbeiten wurden u.a. 2020 in der Pinakothek der Moderne München ausgestellt.

Ingrid Hora Visuelle Künstlerin

Ingrid Hora ist eine visuelle Künstlerin, die 1976 in Bozen, Italien, geboren wurde und in Berlin lebt und arbeitet. In ihrer multidisziplinären künstlerischen Produktion, die von performativen Interventionen, Installation, Zeichnung bis hin zu Video und Fotografie reicht, inszeniert Hora Experimente, die sozio-politische Bedingungen in Frage stellen, Kollektivität herausfordern und die Art und Weise, wie demokratische Prozesse zustande kommen.
Oft ausgehend von sehr kontextspezifischen Kenntnissen, lokal verwurzelten Traditionen oder historischen Wendepunkten, entwickelt Ingrid Hora künstlerische Interventionen, die neue temporäre Netzwerke etablieren, indem sie kollektive Momente des Miteinanders schaffen.
Objekte, Zeichnungen oder skulpturale Elemente sind die Requisiten für kollektive performative Interventionen – oft im öffentlichen Raum inszeniert – die die Künstlerin durch eine Reihe von grundlegenden Anweisungen orchestriert.
Die Frage nach dem menschlichen Teil eines Kollektivs und seinem Eifer, außerhalb seines individuellen Bereichs zu agieren, und wie ein Kollektiv außerhalb seines gemeinsamen Kontextes agiert, wenn eine Reihe von Normen zusammenbricht, steht im Mittelpunkt vieler von Ingrid Horas Projekten. Der künstlerische Prozess selbst ist oft ein kollektiver Schöpfungsakt, in dem die Künstler*innen den Dialog mit anderen Disziplinen wie Tanz, Literatur oder Musik suchen.

Maxi ObexerAutorin

Maxi Obexer, Theaterautorin und Schriftstellerin, lebt in Berlin. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Philosophie und Theaterwissenschaft in Berlin. Für ihre Werke erhielt sie Preise und Stipendien, u.a. von der Akademie Schloss Solitude, der Akademie der Künste sowie den Eurodrampreis und den Robert Geisendörfer Preis für „Illegale Helfer“. Gastprofessuren am Dartmouth College, USA, an der Universität der Künste in Berlin, an der Georgetown University in Washington, DC. Sie lehrt regelmäßig am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie gründete das Neue Institut für Dramatisches Schreiben, NIDS, und die Summer School Südtirol.

Rosalyn D’Mello Feministische Autorin

Rosalyn D’Mello (sie/ihr) ist eine feministische Autorin, Kunstkritikerin, Kolumnistin, Essayistin, Herausgeberin und Forscherin. Sie ist die Autorin von „A Handbook for My Lover“ (HarperCollins India – 2018). Sie schreibt eine wöchentliche feministische Kolumne für Mid-Day, eine vierzehntägige über zeitgenössische Kunst für STIR und trägt regelmäßig zu OPEN bei. Sie ist eine Ocean Fellowship Mentorin für 2021. Dank eines Forschungsstipendiums der India Foundation for the Arts arbeitet sie derzeit an einem Buch für Oxford University Press, das auf ihren Besuchen in südasiatischen Künstlerateliers basiert. Ihre freiberuflichen Texte wurden international veröffentlicht und in Anthologien aufgenommen. Sie wird von David Godwin Associates vertreten. Rosalyn ist in Mumbai aufgewachsen und hat fast ein Jahrzehnt in Delhi gelebt. Heute lebt sie in Südtirol, wo sie den strengen alpinen Wintern trotzt, indem sie ihre sinnlichen Erinnerungen an die Sonne Goas nutzt.

Senthuran Varatharajah Schriftsteller

Senthuran Varatharajah, geboren 1984 in Jaffna, Sri Lanka. Studium der Philosophie und ev. Theologie in Marburg, Berlin und London. 2016 Veröffentlichung des mehrfach ausgezeichneten Debütromans. „Vor der Zunahme der Zeichen“ im S. Fischer Verlag. Varatharajahs zweiter Roman „Rot“ (Hunger) erscheint im Frühjahr 2022, ebenfalls bei S. Fischer.

Sophie Utikal Textil-Künstlerin

Sophie Utikal (1987, USA) wurde im selben Jahr geboren, in dem Gloria E. Anzaldúa “Borderlands” veröffentlichte. Seitdem hat sie an vielen Orten gelebt und schloss 2019 ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien ab. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin, Neukölln.
In ihren Arbeiten kombiniert Utikal Textilfragmente zu Selbstporträts in großformatigen Stoffbildern, bei denen der schwarze Faden sichtbar bleibt – eine generationenübergreifende Nähtechnik, die die Frauen ihrer Familie in Kolumbien anwenden. Ihre Verwendung von Textilien, die die Negativform ihres Körpers darstellen, kombiniert sie mit Anzaldúas Methode der Autohistorie. Tränen, Wasserfälle, Flüsse und Ozeane durchdringen ihre Körper, um Geschichten zu erzählen, die auf traumatischen, aber auch angenehmen Erfahrungen der Migration und Selbstermächtigung als farbige Frau in Deutschland basieren. Ausgehend von einer dekolonialen Perspektive widmet sie sich in ihren textilen Arbeiten Formen der Entfaltung körperlichen Wissens, die über Rationalität wie Fühlen, Wahrnehmen und Sein hinausgehen. Sie sucht ständig nach einem neuen Bewusstsein, das den Körper als Akteur in einen möglichen Heilungsprozess einbezieht.

Teresa SdralevichGrafikerin, Illustratorin

Teresa Sdralevich, Grafikdesignerin, freischaffende Illustratorin und Autorin, lebt und arbeitet in Belgien. 1969 in Mailand geboren, zog sie nach ihrem Abschluss in Politikwissenschaften an der Universität Bologna 1994 nach Brüssel, wo sie kurzzeitig Kurse in Grafikdesign und Illustration besuchte. 2005 richtete sie in der belgischen Hauptstadt eine Siebdruckwerkstatt ein, die auch anderen Künstler*innen offen stand. Ihre Lieblingsthemen sind sozialer, politischer und kultureller Natur, die sie mit der Gestaltung von Plakaten, für die sie Texte und Bilder konzipiert, aufgreift.
Neben Verbänden und öffentlichen Institutionen arbeitet sie auch mit Verlagen und Zeitschriften zusammen. Sie leitet regelmäßig Workshops in Museen, Akademien und auf Festivals in ganz Europa und darüber hinaus. Ihr neuestes Buch, „Poster Power! Great Posters and How to Make Them“ (Cicada, 2017) ist in Italien bei Corraini erschienen.

Wissal Houbabi Aktivistin, Künstlerin

Wissal Houbabi. Aktivistin, Künstlerin und Schriftstellerin. Assoziierter Expertin von „Razzismo Brutta Storia“. Mitbegründerin des Kunstkollektivs ZufZone aus Triest. Sie veröffentlichte das „Manifesto per l’antisessismo del rap italiano” für EUT und eine Untersuchung über Hip-Hop- „Pimpologie” für PalGrave MacMillan. Sie hat für VICE-Noisey, Jacobin und Agenzia X geschrieben und ist eine der Autorinnen von Future (effequ). Sie schreibt über Antirassismus, Feminismus, Hip-Hop und Identität.
Sie war Zweitplatzierte beim Alberto- Dubito- Nationalpreis für Lyrik mit Musik 2019. Wissal hat mit ihren Gedichten an nationalen Veranstaltungen und Festivals, Projekten mit IUAV, Cantieri Meticci und anderen teilgenommen. Sie hat ihre Zeichnungen und Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem auf der Turiner Buchmesse, 2017.